Das Atmen fällt mir schwer…

New Zealand — K. @ 9:28 am

“Das Leben besteht nicht aus den Momenten in denen du atmest. Es sind die Momente, die dir den Atem rauben.”

Hitch – Der Date Doktor (Film)

In der letzten Woche ist sehr viel passiert. Wie ihr bestimmt schon gemerkt habt, fällt es mir relativ leicht einen guten Bericht zu verfassen, wenn ich nur über ein oder zwei Hauptthemen schreibe. Die Sache läuft allerdings aus dem Ruder, wenn es mehr werden, wie ich dieses Mal bemerkt habe. Der ursprüngliche Post war über 6000 Wörter lang und man hätte eine Landkarte und einen Katalog mit meinen Freunden und Bekannten gebraucht, um ihn gänzlich nachzuvollziehen. Das will ich keinem antun. Aus diesem Grund habe ich vier Aktionen herausgesucht, die unterhaltsam und lesenswert sind – und zudem noch alle eine Gemeinsamkeit haben… nun klickt auf „Lesen >>“.

Bilder gibt es hier: Rotorua & Taupo

Vor kurzem habe ich mal wieder den Film „Hitch – Der Date Doktor“ geschaut und der oben zitierte Ausspruch ist mir wieder einmal im Kopf hängen geblieben. (Neben: „Beginne jeden Tag, als wäre es Absicht!“). Es sind sicherlich die Momente, die dir den Atem rauben, die das Leben lebenswert machen, aber meiner Meinung nach sind es auch die Momente, in denen man unbeschwert, tief und genussvoll atmen kann. Dieser Aspekt fehlt mir in diesem, dennoch schönen, Zitat. Es passt natürlich auch zu meiner „lost in moments“ Philosophie. Ich will jedoch nicht zu sehr abschweifen. Was das Ganze mit mir zu tun hat: In der letzten Woche sind einige Dinge passiert, die mir schlichtweg den Atem raubten. Manche eher alltäglich und einfach, andere völlig außergewöhnlich.

Szenario I: Der Wahnsinn im Kaituna-Fluss

Als ich mir die kleine Stadt und die Hauptsehenswürdigkeiten von und in Rotorua angeschaut hatte, war ich immer noch durstig nach mehr. Nicht nach Informationen, Kultur oder noch einem blubbernden Erdloch, nein… Adrenalin. Ich hatte gehört, dass man in der Nähe von Rotorua den höchsten kommerziell befahrenen Wasserfall der Welt raften kann. (Definition „raften“: In einem Schlauchboot mit einem Team in einem wilden Fluss paddeln und Spaß dabei haben!). Ich fand schnell heraus, dass es sich um einen sieben Meter hohen Wasserfall im Kaituna River handelt und man mit 4 verschiedenen Anbietern die Tour machen kann. Ich rief einer der Anbieter an und buchte eine Tour für um drei Uhr am Nachmittag. Lorraine, bei der ich zurzeit couchsurfte erzählte mir, dass vor zwei Wochen an diesem Wasserfall ein Mann ertrunken sei, was mich schon etwas skeptisch werden ließ.

Ich fuhr eine halbe Stunde vorher zum Anbieter am Fluss. Es waren bereits 4 andere Leute da, die Interesse an dem Trip hatten. Zwei recht hübsche irische Mädels und zwei englische Typen. Wir bekamen unsere Ausrüstung bestehend aus Neopren-Anzug, Schwimmweste, Helm und Gummischuhe. Ich nahm nur Helm und Schwimmweste, da ich keinen Grund sah meinen Körper mit einem Gummigemisch zu schützen. Der Fluss war ohnehin bei 19°C. Unser Anführer war Adam, ein junger, durchtrainierter und aufgedrehter Neuseeländer. Wir bekamen unsere Paddel und platzierten unser Schlauchboot auf dem Rasen. Die ersten 20 Minuten bestanden aus Trockenübungen. Vorwärts paddeln. Rückwärts paddeln. Eine Katastrophe. Die Mädels waren zu blöd um das Prinzip des Rückwärtspaddelns zu verstehen. Ich ließ am laufenden Band sarkastische Kommentare los, die zwar höchst inkorrekt waren, mich aber wenigstens bei Laune hielten. Dass die eine Irin offen und ehrlich zugab nicht schwimmen zu können amüsierte mich noch mehr. Den Witz, dass ich noch nie eine geschminkte Wasserleiche gesehen hätte, fand allerdings auch niemand lustig.

Nachdem Adam es aufgegeben hatte, uns Paddeltechniken zu erklären, gingen wir über zum Sicherheitsgelaber. Er erklärte verschiedene Kommandos und was wir dann zu tun hätten. Alles klar. Wir trugen das Boot zum Fluss, sprangen rein und los ging die Fahrt. Es kamen einige wilde Stromschnellen, die eine Menge Spaß machten. Die Mädels kreischten wie abgestochene Säue, nur wir Kerle schienen die Sache halbwegs ernst zu nehmen und paddelten um unser Leben. Nach einer halben Stunde wildem Treiben auf dem Fluss, hielten wir uns mit Hilfe eines Stricks an einer Klippe fest. „Da vorne ist er…“, sagte unser Führer Adam, „der große Fall!“. Man sah zwar nicht viel, aber die Geräuschkulisse von einem Wasserfall im neuseeländischen Wald war schon toll. Mir fiel auf, dass uns die ganze Zeit zwei Kajaks folgten, die, wie ich vermutete, auf uns aufpassen sollten. Als Adam den Kajakern per Handzeichen zu verstehen gab, dass sie gleich ganz besonders auf die Mädels aufpassen sollen, wurde meine Vermutung bestätigt.

„Ok, Leute! Wir werden, wenn ich das Kommando dazu gebe, so kraftvoll wie möglich auf die Kante zupaddeln. Ihr paddelt solange bis ich das Kommando zum Ducken gebe. Verstanden?“, wies Adam die Gruppe an. „Verstanden…“, sagten wir im Chor.

“GOGOGO!”, schrie Adam. Die Paddel stießen ins Wasser. Mit zusammengebissenen Zähnen und Abenteuerlust in den Augen paddelten wir kraftvoll und lebensverneinend auf den Abgrund zu. „GET DOWN! GET THE FUCK DOWN!“, das Kommando zum Ducken. Ich manövrierte mein Paddel an den Rand des Schlauchboots und hielt mich an einer Leine fest. Meine linke Hand suchte Halt an einer Schlaufe am Boden des Bootes. Ich setzte mich auf den Boden und zog das Kinn an die Brust. Wie eine Schildkröte saß ich da und schaute staunend auf den immer näher kommenden Abgrund. Die andern hatten auch die Sicherheitsposition eingenommen. Wir fielen. Überall war Wasser. Ich hatte vergessen Luft zu holen! “ATMEN PHILLIP ATMEN!!!”, hämmerte es in meinem Kopf. Dann der Aufprall! Überall war Wasser. Ich rang nach Luft. Einer war über Bord gegangen. War ich noch im Boot? Ich hatte immer noch festen Griff… jap, alles war gut. Ich zog den Matrosen wieder rein und weiter ging die Fahrt auf dem Kaituna Fluss. War geil, besser als ich’s erwartet hatte!

Wir paddelten noch einige Stromschnellen und versuchten auch unter kleinere Wasserfälle zu fahren, wobei uns das Wasser direkt ins Gesicht fiel. Atmen war unmöglich und trotzdem paddelten wir wie besessen. Lachen, Jauchzen, Paddeln. Nach 90 Minuten war der Wahnsinn auf dem Kaituna Fluss zu Ende.

Zurück am Lager gab es dann Bier und Hot Dogs für jeden. Ein toller Tag ging zu Ende.

Szenario II: Feuerläufer

Mittwochmorgen. Heute ist ein Trip nach White Island angesagt, den Kirin und ich seit einer Woche planten. Wir probierten 10 CouchSurfer oder andere Leute zusammen zu kratzen um den Gruppenrabatt für diese sehr besondere Tour zu bekommen. Die Besichtigung eines aktiven Vulkans ungefähr 50 km vor der Küste von Whakatane. Eine etwa einstündige Fahrt von Rotorua steht mir bevor. Ich hole Laycie-Ann am abgemachten Treffpunkt ab. Die junge Dame aus Hawaii ist CouchSurferin und hatte mich vorher über die CouchSurfing-Seite kontaktiert. Zugesagt hatten noch Ingo und Heidi aus Deutschland, die ich beide in Auckland kennen gelernt hatte. Kirin würde noch den Frankfurter Sebastian und die Griechin Elisabeth mitbringen. Zusätzlich hatten mich noch Flo und seine Freundin kontaktiert und ihr Interesse an dem Trip deutlich gemacht. Ich bekam einen Anruf von Kirin, der mich informierte, dass zwei Leute kurzfristig abgesagt hätten. Nachdem ich den beiden die Krätze an den Hals gewünscht hatte, sagte ich zu Kirin „Don’t panic buddy…“ und legte auf.

Laycie und ich kamen 20 Minuten zu früh am Treffpunkt in Whakatane an. „Genug Zeit…“, dachte ich. Ich teilte Laycie meinen Plan mit und verschwand auf der anderen Straßenseite in einem Café. Ich schaute mir die dort sitzenden Leute an. Wer war ein Reisender? Das war die Frage. Wer sah so aus, als ob er heute Lust hätte auf einem aktiven Vulkan spazieren zu gehen. Ich suchte mir eine Brünette aus, die ich auf Ende 20 schätzte. Sie hatte ein Daypack dabei und ihre Kleidung entsprach nicht ihrer natürlichen Ausstrahlung von Stil und Klasse. Es musste eine Reisende sein! „Hey… wie geht’s dir heute?”, sprach ich sie auf englisch an und packte so viel Charme wie möglich dazu. „Gut gut… und selbst?“, antwortete sie und war scheinbar erfreut über meine offene Art. „Hey… ich bin Phil, aus Deutschland. Hättest du Lust auf einen tollen Ausflug heute?“. “Wo soll’s den hingehen?”, fragte sie interessiert aber sehr skeptisch nach. “Nach White Island, die Vulkaninsel vor der Küste…”, versuchte ich sie neugierig zu machen. „Erzähl mir mehr…“, forderte sie, woraufhin ich ihr mit ein paar Eckdaten den Mund wässrig machte. „Wir sind nur 8 Leute im Moment, CouchSurfer und Freunde und wir versuchen 10 zu werden um den Gruppenrabatt zu bekommen, du bekommst also hier eine exklusive Chance… einmalig…!“. „Jap, bin dabei…“, sagte sie überzeugt. „Ich bin Linda aus Australien, hey…“ fügte sie hinzu und ich kassierte noch ein paar Küsschen. „Alles klar“, dachte ich „das war ja einfacher als gedacht… jetzt noch jemanden finden und dann sind wir wieder 10!“.

Laycie kam ins Café: „Phil, Kirin ist da, er will dich sprechen.“ Ich ging raus und begrüßte meinen Freund herzlich, ich freute mich wirklich ihn schon wieder zu sehen und nach dem Weinfest den nächsten Spaß mit ihm zu veranstalten. „Alter, ich hab nur 9 Leute jetzt… gib mir noch ein paar Minuten…“, teilte ich ihm mit. „Don’t panic buddy…“, erwiderte der Turban-Mann grinsend, drehte sich um und verschwand im Büro des White Island Touranbieters. Kirin managte den Gruppenrabatt mit 9 Personen. Wunderbar! In der Zeit waren auch Alle anderen eingetroffen. Ich freute mich Ingo und Heidi wieder zu sehen und mit ihnen zu labern. Ich machte alle miteinander bekannt und wir bestiegen das Schiff Richtung White Island.

Die Fahrt sollte 90 Minuten dauern. Wir sahen einen Finnwal! Geil! Die meiste Zeit laberte ich mit Kirin über Reisen, meine Pläne und unsere nächsten Vorhaben. Den Rest verbrachte ich lachend und zuhörend mit Ingo und Heidi, die von ihren letzten zwei Wochen gemeinsamer Reise berichteten.

Als wir in der Landungsbucht von White Island waren bekamen wir Helme und Gasmasken ausgeteilt. Wir mussten auf ein Schlauchboot wechseln, da man nicht mit einem großen Schiff auf der Vulkaninsel landen kann. Es folgte ein zweistündiger Spaziergang über die Insel, zum giftgrünen Kratersee. Der Tourguide gab bei jedem Stopp interessante Hintergrundinformationen zur Insel und man hatte genügend Zeit Fotos zu machen oder mit anderen Leuten rumzualbern. Die Schwefeldämpfe waren teilweise unerträglich, so musste man die Gasmaske tragen. Atemberaubend! Eine unwirkliche und hässlich-schöne Welt ist dieser Vulkan. Überall kocht und dampft es. Der Gestank ist allgegenwärtig. Lässt man einen Stein von der Größe eines Fußballs auf den Boden fallen, hört man wie Hohl die Erde unter einem ist. Angsteinflößend. Diese Tour war es wirklich wert! Falls ihr jemals nach Neuseeland kommen solltet, dann zieht auf jeden Fall den White Island Trip vor und reiht Dinge wie „Wai O Tapu“ in Rotorua oder „Craters of the Moon“ in Taupo hinten an!

Zurück auf dem Schiff versammelten sich Sebastian, ich, Heidi und Ingo am Bug und ließen uns auf der Rückfahrt von den Wellen durchnässen. Wir hatten eine Menge Spaß. Zurück im Hafen von Whakatane ging unsere Gruppe dann noch zu einem Wasserfall nahe der Stadt. Sebastian sagte irgendwann „Lasst uns ein Picknick machen, ich hab’ alles dabei!“. Wir waren echt erstaunt, als er vom Auto zurückkam und Kräcker, Käse, Wurst etc. vor uns auf der Wiese ausbreitete. „Siehst du Phillip… das ist ein richtiger Deutscher… auf alles vorbereitet!“ witzelte Kirin. Wir beschlossen alle unsere Vorräte aus unseren Autos zu holen und ein richtig großes Picknick zu veranstalten. Kirin fuhr los und kaufte noch Champagner und einen Geburtstagskuchen für Elisabeth, die an diesem Tag 24 wurde.

So saßen wir da in der warmen Abendsonne nach einer aufregenden Tour, tranken Champagner, aßen Brot, Wurst, Käse und von mir zubereiteten Thunfisch-Salat und ließen es uns gut gehen…

Ein toller Tag ging zu Ende.

Szenario III: Aus einem funktionierenden Flugzeug springen

Neun Uhr morgens. Ich liege schlaftrunken in meinem Bett im Van. Meine rechte Hand kramt sich unter der Decke hervor und zieht einen Vorhang zurück. Ich öffne meine müden Augen und sehe… keine Wolke am Himmel! Perfekter Tag zum Skydiven!

Was zuvor passierte:

Ingo und Heidi begleiteten mich nach der White Island Tour zurück nach Rotorua. Am nächsten Tag fuhren wir dann abends weiter nach Taupo. Meine Freunde Michel und Simon, die ich in Gisborne kennen gelernt hatte, waren am Vortag bereits in Taupo angekommen. Simon wollte eigentlich mit mir eine Wanderung machen, die zu Neuseelands Schönsten gehört. Simon versuchte mit gutem Wetter zu argumentieren. „Gutes Wetter hab’ ich den ganzen Sommer lang man… ich will Fallschirmspringen!“ erwiderte ich und sagte somit ab. Simon lief am nächsten Tag alleine den Tongariro Crossing. Wir einigten uns allerdings darauf, dass wir im nächsten Frühjahr auf der Südinsel eine mehrtätige Wanderung zusammen bestreiten werden.

Ingo, Heidi, ich und Michel, wir wollten das gute Wetter im Frühling nutzen, um die Chance wahrzunehmen in Taupo zu skydiven. Fallschirmspringen in Neuseeland! Nirgends auf der Welt kann man diesen Rausch für so wenig Geld bekommen und hat dabei noch einen so hohen Sicherheitsstandard.

Am Abend rief ich bei dem Veranstalter „Skydive Taupo“ an und buchte für 4 Personen am nächsten Morgen um 11 Uhr. Die Henkersmalzeit für Ingo, Heidi und mich war Steak mit Bratkartoffeln – liebevoll von Ingo und mir zubereitet. Heidi hat’s nicht so mim kochen. Ingo und ich bearbeiteten später am Abend noch sanft den Biervorrat, Heidi blieb bei Wein. Wir gingen zu Bett.

Am nächsten Morgen noch mal Rührei, Wurst, Käse und Toast. Ein ordentliches Frühstück – es könnte das letzte sein. Ich überlegte mir eine letzte SMS an einen von mir geliebten Menschen zu senden – ließ es aber bleiben. Der Schirm wird sich bestimmt öffnen. Und wenn nicht, dann eben nicht.

Wir fuhren zum Flugplatz. Michel war bereits da. Herzlich wurden wir begrüßt, viele Leute waren anwesend, um das Angebot in Taupo wahrzunehmen. Zu erst wurde uns ein Film gezeigt. Zu sehen war eine hübsche kleine Frau, die man eben beim Fallschirmspringen sah. Sie hatte übertrieben viel Spaß, für meinen Geschmack. Nach dem Film wurden uns die Optionen angeboten. 9-, 12- oder 15 Tausend Fuß Höhe, mit oder ohne DVD. Man kann sich tatsächlich einen individuellen Film von dem Sprung machen lassen, was allerdings genau so teuer wie der eigentliche Sprung selbst ist. Alle entschieden sich für 15000, Michel wollte zusätzlich noch die DVD haben.

Jetzt war warten angesagt. Wir saßen auf der Couch im Eingangsbereich. Gedankenverloren. Ich machte noch ein kurzes Abschiedsvideo mit meiner Kamera, bevor ich meine Wertsachen verstaute. Wir konnten auf den Flugplatz schauen, die grässlich rosa Einmotorige kam gerade wieder runter und vor den Hangar gerollt, um neue Adrenalinsüchtige zu laden. Die nächsten 4 Springer auf der Tafel hießen: Michel, Ingo, Heidi und Phillip. Unsere Tandempartner kamen, um uns zu holen. Zu erst bekamen wir blaue Overalls an. Meiner war mir viel zu groß, aber egal, war bequem. Danach legten sie uns ein Geschirr an. Eine Schlinge um jedes Bein, Torsoschlingen, alles dabei. Fliegerkappe und Brille bekamen wir auch. Und eine Sauerstoffmaske, die man bei 15000 eben braucht. Kurzes Sicherheitsgelaber. „Ok Leute, ihr seid mit eurem Rücken an unserer Brust befestigt. Wenn wir an die Luke robben, dann klemmt ihr eure Beine unters Flugzeug und legt den Kopf nach hinten. Wie eine Banane. Dann werden wir springen. Wie wir die Landung machen, erklären wir euch im Gleitflug zurück.“ Hörte sich plausibel und sehr einfach an soweit. „Kann eigentlich nix schief gehen“, dachte ich. Wir liefen zu dem Flugzeug, es stiegen abwechselnd Tandempartner und Springer in den kleinen Laderaum. Zu erst würde Michel springen, dann ich, dann Heidi, dann Ingo. Wir Alle saßen im Schoß unseres jeweiligen Tandempartners. „Jetzt dauert es noch 15 Minuten bis wir oben sind.“, sagte mir Henk, mein Partner. Die Maschine hob ab, jetzt gab es kein zurück mehr. Michel und ich saßen direkt neben der offenen Lukentür. Wir beobachteten wir die Welt unter uns kleiner wurde… -

Irgendwann waren wir über den Wolken. Henk zeigte mir immer wieder den Höhenmesser. Ich war, in Anbetracht der Situation, relativ gelassen. Es war ein perfekter Tag zum Skydiven, es waren kaum Wolken am Himmel. Wir konnten von Küste zu Küste der Nordinsel Neuseelands schauen, so klar war es. Das rote Licht in der kleinen Kabine leuchtete auf. Wir zogen unsere Sauerstoffmasken an. „Nicht mehr lang…“, dachte ich. „Gleich man… gleich!“.

Ich stellte irgendwie fest, dass mein Geschirr echt locker sitzt. Würde ich vielleicht rausfallen? Ich hatte echte Bedenken. Henk zeigte den Höhenmesser…12000. “Sit on my lap dude!”, schrie mir Henk ins Ohr. Ich setzte mich auf seinen Schoß. Er klingte die großen Haken meines Geschirrs an sein Geschirr an und zog die Leinen fest. Ok, nichts mehr war locker. Wir waren nun quasi ein Mensch mit 4 Beinen, 4 Armen, 2 Köpfen…

„Let’s go! Enjoy!” sagte Henk. Ich und die anderen setzten unsere Sauerstoffmasken ab und zogen die Brillen auf, die dann festgezurrt wurden. Dann sah ich, wie Michel samt auf den Rücken gebundenen Partner näher an die Luke robbten. Sekunden später waren sie weg. Einfach rausgesprungen. Einfach aus einem verdammten, perfekt funktionierenden, rosa Flugzeug gesprungen! Ich dachte nur noch “WHATTHEFUCK!”. Henk und ich robbten näher an die Luke. Ich manövrierte meine Beine aus dem Flugzeug und lehnte mich zurück. „Wie eine Banane“, dachte ich und grinste ein letztes Mal. Henk zählte schnell von 3 bis 0 und dann…

WHOOOOOOOOOOOOHOOOOOOOOOOOOOO!!!!!!!! Freier Fall!!!! Wir machten gleich zu Anfangs eine Schraube kopfüber, bevor wir uns in der korrekten Fallposition stabilisierten. Von 0 auf 200 km/h in 5 Sekunden. Ich schrie, ich bangte meinen Kopf, sah die Landschaft an und genoss es. Unter mir der riesige Lake Taupo. Im Süden die Vulkanberge. Unter anderem der Mt. Tongariro, wo jetzt gerade Simon am wandern war. Ich sendete ihm einen Gruß rüber. Freier Fall! Ich konnte kaum Atmen. Ich wusste nicht ob es nur der Gegenwind war oder vielleicht auch das Adrenalin und die Aufregung, wahrscheinlich aber alles zusammen. Atemberaubendes Erlebnis! Ich dachte ehrlich, dass es egal sei, wenn jetzt der Fallschirm nicht aufginge. Mir war es egal, ich schaute nicht einmal hoch, ob er aufgeht. Henk sagte bescheid, als er an der Reißleine zog. Ein brutales Abbremsen. Der Schirm öffnete sich scheinbar tatsächlich. “Auch gut.”, stellte ich fest. Die Phase des freien Falls war vorbei. Henk zog mir die Brille ab und fragte wie ich es fand. „FREAKIN’ AWESOME!“ schrie ich und betrachtete weiterhin die Landschaft. Einfach herrlich. „Do you want a funky ride?“, fragte mich die Stimme auf meinem Rücken. „Yeah, sure!“, antwortete ich. Ich sah wie Henk mir zwei Schlingen gab. Zum Lenken des Fallschirms. Ich griff nach ihnen. “Jetzt langsam nach links.”, wies er mich an. Ich zog hart links. Wir schraubten nach unten. Und dann rechts. Und dann wieder links und dann wieder rechts. Ich schrie vor Spaß, grinste mir total einen ab. Ich war randvoll mit Drogen. Mit guten, vom eigenen Körper produzierten Drogen!

Wir landeten im Stehen. Perfekt! “Man you got a crazy ride!”, sagte Henk und wir stellten fest, dass wir noch vor Michel am Boden waren. Ich war völlig lala und dachte nur noch „geilgeilgeilgeilgeil…“.

Ich beobachtete wie alle meine Kollegen landeten und am Schluss gab es noch ein Gruppenfoto. Das war es wert!

Am Abend trafen wir Simon am See wieder. Ich hatte mit den Jungs noch einige Biere und wir schliefen dann in unseren Autos direkt am See.

Ein toller Tag ging zu Ende.

Szenario IV: Das Leben am Lake Taupo

Es war Samstagmorgen. Ich wachte auf, als ich die Schiebetür eines Vans hörte. „Bestimmt Simon“, dachte ich und wälzte mich im warmen Bett herum. Es war stickig in meinem Van, trotz leicht geöffneter Seitenfenster. Ich fand keine Ruhe mehr. „Ach, hat ja alles kein Sinn…“, dachte ich, stand auf und schnappte mein Waschzeug. Ich marschierte an die 300 Meter entfernte Tankstelle. Die Kassiererin schaute mich voller Abneigung und überaus dämlich an. Ich warf einen verschlafenen, leicht verkaterten Piss-mich-jetzt-bloß-nich-an-Blick zurück. Auf der Toilette hatte man sogar warmes Wasser. Ein Paradies. Während der morgendlichen Rasur philosophierte ich wieder über das Rasieren an sich. Ich brauche das. Wie könnte ich nur einem Mann vertrauen, der nicht fähig ist, sich den Dreck aus dem Gesicht zu schaben? Warum gibt es so viele Reisende, die meinen, nur weil sie nicht zu Hause sind, müsse man sich nicht mehr rasieren und hätte den Freischein so auszusehen wie ein Penner? Also Jungs… bitte rasiert euch! Vor allem dann, wenn ihr euch keinen anständigen Bart wachsen lassen könnt! Ich war schon wieder total gestresst. Kaum 5 Minuten wach und schon wieder gestresst. Ich lachte. “Ach ja…”, sagte ich, tief atmend und zufrieden.

Als ich zurück zu den Autos lief, waren alle schon auf und saßen am See beim Frühstück. Michel und Ingo auf einem Stuhl. Simon auf einem Stein. Simon sitzt nicht gerne auf Stühlen. Simon mag keine Stühle. Ich holte meinen Deutschen Stuhl, Brot, Wurst und Käse und gesellte mich dazu. Die Sonne schien bereits. Ein weiterer schöner Tag.

Wir gingen danach in die Stadt in einen Outdoor-Shop. Michel brauchte Wanderschuhe. Ingo brauchte eine leichte Jacke. Ich und Simon können sowieso Stunden in einem Outdoor-Shop verbringen und einfach nur “gucken”, also kamen wir mit. Ich fand – natürlich – mal wieder etwas Lächerliches, was ich haben musste. Einen rosa Hut!

Als wir danach auf der Straße zurück zu den Autos liefen, kamen wir an “Hells Pizza” vorbei. Ingo sagte „Ah ja, das ist das wo man aus dem Pizzakarton einen Sarg bauen kann!“. Wie ihr euch vorstellen könnt, reicht so eine vage Aussage, um mein Interesse zu wecken. Wir gingen rein. Ingo und ich bestellten jeweils eine kleine Pizza zum mitnehmen. Wir setzten uns draußen hin und warteten. Die Pizza kam, die Enttäuschung mit ihr. Man kann nur aus normal-großen Pizzakartons von Hells Pizza Särge bauen, nicht aus kleinen. Verdammt!

Danach fuhren wir raus aus Taupo zu den „Huka Falls“, einem ganz schönen Wasserfall nördlich der Stadt. „The Honey Hive“ war der nächste Stop. Hier gab es einfach nur Honig aus der Region. Man konnte um die 20 Sorten probieren, was wir als arme Backpacker natürlich voll ausschöpften. Dann ging es zu den „Craters of the Moon“, ein Termalgebiet, was völlig überbewertet wird, wie wir feststellten. Es ist einfach nur dampfende Erde, mehr nicht. War dennoch ein spaßiger Spaziergang.

Auf der Rückfahrt nach Taupo gingen wir einkaufen. 4 Chaoten. 1 Einkaufswagen. Der Plan war: Nudel, Pilze, Speck, Eier und Paprika für’s Abendessen. Als wir an der riesigen Kühltheke mit Eis waren, sagte Michel „Hey wir könnten als Nachtisch Eis kaufen! Hier gibt es 2 Liter Packungen!“. Alle waren fasziniert von Michels Einfallsreichtum. „Wir könnten auch noch Milch kaufen und einen Milchshake machen!“, fügte Ingo hinzu. „Ja, wir könnten auch noch Marshmallows, Sahne und Schokostreusel kaufen“, modifizierte ich die Idee nochmals. Am Ende kauften wir tatsächlich 2 Liter Schokoladeneis und Milch.

Zurück am See. Das Eis musste als Vorspeise herhalten. Jeder saß da, Sonnenuntergang, Schokomilchshake in der Hand. Ich hatte zusätzlich noch einen rosa Hut auf. Seit ich diesen Hut trage, werde ich erstaunlich oft von Frauen über 40 angesprochen. Das gab Stoff für reichlich dumme Sprüche seitens Ingo, Michel und Simon. Jeder hatte schon einen halben Liter Eis plus Milch im Bauch. Plus diverse Biere. Jetzt fingen wir an zu kochen. 3 Kocher, allerhand Pfannen und Töpfe. Das reinste Chaos. Es dauerte vielleicht 2 Stunden das Ganze zuzubereiten. Am Ende hatte es sich aber gelohnt. Vor mir, in einem Riesentopf, verbarg sich ungefähr 2 Kilo leckeres, heißes, nährreiches Essen. Wir aßen. Es war bereits später Abend. Das Essen und das Bier schmeckte.

Müde ließ ich den Teller sinken. Ich konnte kaum mehr atmen. Ich fühlte mich fast an das Weinfest in Martinborough erinnert. Was gibt’s besseres, als satt, in guter Gesellschaft, des Nachts an einem See zu sitzen und zu erzählen?

Eine tolle Woche ging zu Ende!

Und hiermit einen lieben Gruß an Ingo, Heidi, Simon und Michel!

English version:

“Life is not the amount of breaths you take, it’s the moments that take your breath away.”

Hitch – The Date Doctor (Movie)

There were quite a few things that took my breath away in the last week. Pictures can be found here: Rotorua & Taupo.

First I went for a raft down the Kaituna River near Rotorua. There is the highest commercially rafted waterfall in the world. 7 meters. I was excited because my CouchSurfer told me that a man drowned in this river just two weeks ago. We survived and just one chap fell into the water. Was pretty brutal and rough but we paid for it. It was great fun!

The next thing was a trip to White Island. An active volcano 50 km north of Whakatane. I organised that trip with Kirin, my CS-buddy from Auckland. We got 10 people for the trip so got the group discount of 10%. Yeah! The trip was amazing. 90 Min boat ride to the Island. We saw a fin whale on the way! Then a two hours walk on the volcano. The tour guide talked about some history and stuff, was interesting. After the trip our group went to a waterfall in Whakatane and we had a dinner picnic there with all the CSers and friends. A perfect travel day!

In Taupo I did the skydiving thing. Me and a few friends jumped out of a perfectly working pink plane out of 15000 feet height. I can’t describe the feeling and the rush running through you when you jump. This is just amazing! I will do it again for sure! And I will do the 134 meter Bungee jump in Queenstown next year! If you are in NZ definitely do skydiving in Taupo. It’s the cheapest place in the world you can get this incredible feeling and it’s pretty safe, too. Hehe.

The last thin is more common yet very nice. I hung out at Lake Taupo with my friends Ingo, Simon and Michel. We had a good time exploring Taupo and do a lot of funny and random things. On Saturday evening we had a supreme dinner and ice cream as dessert and stuff. Deluxe! I was so totally stuffed that I could hardly breathe. Haha.

Awesome days!

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